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Verfahren



Traumatherapie

"Traumatherapie" ist weder ein geschützter Begriff noch sind die bekannten "Traumatherapien" durch ein einheitliches Ausbildungskonzept gekennzeichnet. Kurz gesagt heisst dies, wo "Traumatherapeut/in" draufsteht, können einige wenige Tage Fortbildung oder genauso eine fundierte mehrjährige Ausbildung "drin sein". Das ist nicht unbedingt ersichtlich und macht die Suche nach einer passenden Therapeutin/einem passenden Therapeuten oftmals schwer. 

Aus diesem Grund möchten wir Ihnen hier einige der uns bekannten traumatherapeutischen Verfahren vorstellen. Für alle Interessierten fügen wir die Fortbildungsdauer und Voraussetzungen hinzu, soweit sie uns bekannt sind bzw. wer als Begründer/in der Methode gilt. Die Faktoren können evtl. bei der Einschätzung der Methode helfen. Außerdem gibt es Ihnen die Möglichkeit nach der Ausbildung der kontaktierten Therapeut/in zu fragen.

Wir haben nachfolgend auch notiert, welche Methode sich eher für eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, Monotrauma) und welche für komplexe Traumafolgen (DDNOS und DIS) eignen. Selbst bei komplexen Traumafolgen gibt es in der Wahl der Therapieverfahren Unterschiede, je nach Ursache der Traumatisierung.

Die Vorstellung der einzelnen Methoden kann Ihnen bei der Suche nach Ihrer/Ihrem Therapeut/in helfen. In unserem Verständnis ist die therapeutische Beziehung das Fundament, auf das sich die methodische Zusammenarbeit aufbaut. Sinnvoll ist es, mehrere traumatherapeutische Methoden miteinander zu kombinieren.

Diese Aufzählung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Falls Sie von traumatherapeutischen Verfahren wissen, die hier nicht genannt sind, bitten wir Sie, uns dies mitzuteilen.

Grundsätzlich gilt:

Wichtig bei allen Therapieschritten ist die Transparenz des jeweiligen Verfahrens, die Patientin/der Patient also darüber informiert ist, was gemacht wird und warum und sie damit einverstanden sind (informed consent). Wichtig ist auch, dass man sich gegenseitig mit Respekt begegnet und die Therapeutin der Therapeut Echtheit und Empathie zeigt.

Vor der eigentlichen Traumaarbeit muss ausreichend Stabilisierung stattfinden.

 

PITT - Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie nach Luise Reddemann

Dabei handelt es sich um ein von Luise Reddemann entwickeltes Verfahren, das - basierend auf der Egot-State-Therapie - "Modell zur Erklärung und Einordnung von Traumastörungen" (Breitenbach & Requardt, 2013, S.29) bereitstellt und eine Vielzahl von auf Imagination beruhenden praktischen Übungen bis zu Dissoziaitonsstopps bereit hält. Insbesondere bei Vernachlässigung, kumulativen Traumatisierungen und posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) bietet PITT Möglichkeiten der Behandlung. Viele auf Trauma spezialisierte Kliniken arbeiten u.a. mit PITT.

Bei komplexen Traumatisierungen kann PITT - außerhalb von Programmierung und Mind-Control - aufgrund der ausgeprägten Ressourcenorientierung in der Phase der Stabilisierung oftmals mit eingesetzt werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn Betroffene auf imaginative Verfahren gut ansprechen.

Die Fortbildung umfasst 2 x 3 Tage und wird in unterschiedlichen Einrichtungen angeboten.

Quellen:

Luise Reddemann (2012). Psychodynamisch imaginative Traumatherapie: PITT - Das Manual. Ein ressourcenorientierter Ansatz in der Psychotraumatologie. Klett-Cott.

Gaby Breitenbach, Harald Requardt (2013). Komplex-systemische Traumatherapie und Traumapädagogik. Asanger Verlag.

 

EMDR - Eye Movement Desensitization and Reprocessing

EMDR ist eine auf bilaterale Stimulation beruhende Methode, die auf den Informationsverarbeitungsprozess im Gehirn Einfluss nimmt. Bei posttraumatischen Belastungsreaktionen aufgrund von Monotrauma kann mithilfe bilateraler Stimulation die Informationsverarbeitung im Gehirn so aktiviert werden, dass fragmentierte traumatische Erinnerung nachverarbeitet werden können. EMDR beruht auf acht Behandlungsphasen und einem Standardprotokoll und gilt als effektive und zeitökonomische Behandlungsmethode bei:

  • Anpassungsstörungen
  • traumatischer Trauer nach Verlusterlebnissen
  • akuten Belastungsreaktionen kurz nach belastenden Erlebnissen
  • belastungsbedingten Verhaltensstörungen von Kindern und
  • chronischen komplexen Traumafolgestörungen nach schweren Belastungen in der Kindheit

Vor der Verwendung der EMDR-Methode bei Patient/innen mit dissoziativen Störungen wird vielfach gewarnt. Offenbar scheint bei komplexer Traumatisierung bzw. hochdissoziativen Personen EMDR im Standardprotokoll nur stark eingeschränkt zu wirken. In der Folge scheinen Patient/innen mit schweren Traumatisierungen nicht oder nur eingeschränkt von der Behandlung mit der EMDR-Methode zu profitieren. Deshalb werden mittlerweile Vorschläge zur Anpassung des EMDR-Verfahrens an diese Behandlungsgruppe gemacht (siehe Gonzales & Mosquera, 2012) und von speziellen Instituten gelehrt (z.B. www.psychotraumatology-institute-europe.com/index.php vom 26.09.2014)

EMDR kann in verschiedenen Instituten an 3 x 2 Tagen zzgl. 10 Std. Supervision gelernt werden und ist in der Regel Ärzten mit einer Ausbildung in Psychotherapie, Psychologischen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten vorbehalten.

Quellen:

Francine Shapiro, Theo Kierdorf, Hildegard Höhr und Dagmar Mallet (2012). EMDR - Grundlagen und Praxis: Handbuch zur Behandlung traumatisierter Menschen. Junfermann Verlag.

Christine Rost (2010). Ressourcenarbeit mit EMDR. Deutsches Ärzteblatt PP. Hef 11 Nov. 2013, S.512-515

www.emdr-institut.de

www.traumatherapie.de

 

KST - Komplex-systemische Traumatherapie - Gaby Breitenbach und Harald Requardt

Die Komplex-systemische Traumatherapie und Traumapädagogik, wie sie von Gaby Breitenbach und Harald Requardt entwickelt wurde und im Institut für systemische Therapie und Traumatherapie (Villa Lindenfels, Stuttgart) gelehrt wird, stellt den Mechanismus der Dissoziation in den Mittelpunkt ihrer Traumatherapie und trägt den vielfältigen Verschränkungen zwischen Mensch und Umwelt Rechnung.

"Wenn wir verstehen, was es bedeutet, wenn einem ein Teil der Wirklichkeit fehlt, wenn wir erfassen, was Zeitverluste, Flashbacks oder Viele-sein für das gelebte Leben bedeutet, dann sind wir als Helfer in der Lage, unseren Klienten mit Respekt für ihre Überlebensleitstung zu begegnen und mit ihnen zu lernen, was sie benötigen, damit die Auswirkungen traumatisierender Erfahrungen kleiner werden können." (Breitenbach & Requardt, 2013, S.4) 

Als "systemisch" bezeichnen sie die Methode, weil sie Wert auf eine ganzheitliche Sicht legen und stets Körper, Geist und Seele im Blick haben.

KST setzt sich mit der Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS) und allen dissoziativen Störungen (DESNOS,DDNOS und DIS) auseinander. Die Fortbildung dauert zwei Jahre und umfasst insgesamt 500 UE Theorie und Praxis. Eine psychotherapeutische Ausbildung ist Voraussetzung. Sie richtet sich an "Praxisprofis", die mit dieser Klientel praktische Erfahrungen haben.

Quellen:

Gaby Breitenbach, Harald Requardt (2013). Komplex-systemische Traumatherapie und Traumapädagogik, Asanger Verlag.

villa-lindenfels.de

 

Phasenorientierte Traumatherapie oder:

Behandlung traumabezogener struktureller Dissoziation der Persönlichkeit nach Ellert R.S. Nijenhuis

Orientiert an Pierre Janets Psychologie des Handelns hat Ellert R.S. Nijenhuis ein phasenorientiertes Behandlungsmodell entwickelt, das sich auf die Identifikation und Behandlung struktureller Dissoziation konzentriert. Das Behandlungsmodell stellt eine Art "Meta-Modell" (Breitenbach & Requardt, 2013, S.29) dar, das - vielfach zitiert von allen in Deutschland bekannten Psychotraumatologen - die Zersplitterung der Persönlichkeit infolge schwerer komplexer Traumatisierungen in Kindheit und Jugend realsiert und dazu den Mechanismus der Dissoziaiton in den Mittlepunkt stellt bzw. welche Auswirkungen die Spaltungsprozesse auf Alltragsbewältigung, Energiehaushalt und Handeln haben. 

Ellert R.S. Nijenhuis lehrt sein Modell in einem dreigliedrigen Kurssystem (Basis-, Aufbau- und Vertiefungskurz). Er ist besonders für das Verständnis und die Arbeit mit hochdissoziativen Personen mit DDNOS und DIS-ID geeignet.

Die vier Basis- und vier Aufbaurkurse mit je zwei Seminartagen, sowie der 4-tätige Vertiefungskurs fingen über zwei Jahre verteilt statt und können auf alle bekannte psychotherapeutischen Verfahren aufgebaut werden. Zielgruppe sind approbierte Ärzte, Psychotherapeuten, Psychologen und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten.

Quellen:

Onno van der Hart, Ellert R.S. Nijenhuis & Kathy Steel (2008). Das verfolgte Selbst. Strukturelle Dissoziaiton und die Behandlung chronischer Dissoziation. Junfermann Verlag.

Gaby Breitenbach, Harald Requardt (2013). Komplex-systemische Traumatherapie und Traumapädagogik. Asanger Verlag 

www.enijenhuis.nl