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Ambulante Psychotherapie


Therapieverfahren mit Kassenzulassung:

Damit eine ambulante Psychotherapie von der Krankenkasse übernommen wird, muss die Therapei in der Regel bei einem Psychotherapeuten (Arzt oder Psychologen) mit Kassenzulassung durchgeführt werden. Von der krankenkasse zugelassen sind momentan nur zwei Psychotherapeiverfahren:


A) Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie:

Dieses Verfahren ist aus der Psychoanalyse abgeleitet, findet aber überlicherweise ein- bis zweimal pro Woche im Sitzen statt. Die tiefenpsychologisch fundierte Therapie geht davon aus, dass psychische Störungen Folge unbewältigter, unbewusster innerer Konflikte sind, die aus der frühen Kindheit stammen und durch jetzige Konflikte reaktiviert werden. In der sogenannten Übertragung wiederholt der Patient unbewusst konflikthafte Beziehungen aus der frühen Kinderheit gegenüber dem Therapeuten, der sie deuten und so dem Patienten bewusst machen kann. Dadurch erhält der Patient die Möglichkeit, über die Beziehung und den Konflikt nachzudenken und sein Verhalten zu ändern.

Für Patienten mit schwereren Persönlichkeitsstörungen gibt es eine modifizierte Therapie, bei der eher an den Konflikten im Hier und Jetzt gearbeitet wird.


B) Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie leitet sich aus der Lerntheorie ab und versteht psychische Störungen als erlerntes dysfunktionales Denken und Verhalten. Auch hier geht es darum, durch Verhaltensanalysen dem Patienten seine dysfunktionalen Denk- und Verhaltensmuster bewusst zu machen und mit ihm neue, der Person und der Situation besser angemessene Denk- und Verhaltensmuster einzuüben.

Von der Verhaltenstherapie abgeleitet ist die Dialektische Behaviorale Therapie DBT nach Linehan, die bei der Behandlung von Borderline-Störungen angewandt wird und die zusätzlich die Methode der Achtsamkeit in ihrem Programm enthält.

In beiden Verfahren dauert eine Therapiestunde üblicherweise 50 Minuten. Vor einer Therapie hat man die Möglichkeit, fünf Probesitzungen zu machen. Diese werden auf jeden Fall von der Krankenkasse bezahlt. Innerhalb dieser Probesitzungen muss dann von Patient und Therapeut gemeinsam ein Antrag auf Kostenübernahme der Therapie bei der Krankenkasse gestellt werden. Dann bekommt man eine bestimmte Stundenzahl genehmigt. Eine Kurzzeittherapie beinhaltet in beiden Verfahren 25 Stunden, eine Langzeittherapie bei der Verhaltenstherapie maximal 80 Stunden, bei der tiefenpsychologisch fundierten Therapie maximal 100 Stunden. Ist die Therapie abgeschlossen, beträgt die Wartezeit bis man von der Kasse eine neue Therapie bekommt, zwei Jahre, mit Ausnahme von begründbaren Notfällen.

Eine Besonderheit gibt es neuerdings bei der AOK. Die AOK hat Spezialverträge mit einigen Psychotherapeuten, die für Patienten im sogenannten Hausarztmodell gelten. Diese bekommen bei den Vertragstherapeuten schneller einen Therapieplatz, das Antragsverfahren ist unkomplizierter und die Begrenzung der Therapiestundenzahlt gilt hier nicht. 

Inzwischen haben einige Therapeuten mit Kassenzulassung auch eine Zusatzausbildung in Traumatherapie und wenden diese Techniken in der Therapie an. Der Antrag bei der Krankenkasse muss aber in einem der beiden oben genannten Verfahren gestellt werden.


Therapie im Kostenerstattungsverfahren

Da die Anzahl der Therapeuten mit Kassenzulassung sehr begrenzt ist und die Wartezeiten auf einen Therapieplatz zum Teil sehr lange sind, gibt es in einigen Fällen die Möglichkeit, sich an einen Therapeuten zu wenden, der zwar eine Approbation als Psychotherapeut, aber keine Kassenzulassung hat. Dies können neben Ärzten und Psychologen auch Pädagogen und Sozialpädagogen sein, die eine Psychotherapie-Ausbildung haben. Die Möglichkeit, eine Therapie im Kostenerstattungsverfahren zu bekommen, besteht wenn

  1. es sich um ein akutes psychisches Problem handelt und eine dringliche, zeitnahe Therapie bei einem Therapeuten mit Kassenzulassung nicht möglich ist, oder wenn
  2. es sich um ein spezielles Problem, z.B. eine komplexe Traumafolgestörung handelt, bei der es noch schwieriger ist, in einem angemessenen Zeitrahmen eine Therapie zu bekommen, da nur wenige Therapeuten dafür ausgebildet sind. 

Hierzu muss der gewünschte Therapeut bei der Krankenkasse einen Antrag mit Begründung der Notwendigkeit und Dringlichkeit und Darlegung der Therapieplanung einreichen. Der Patient muss nachweisen, dass er bei mindestens acht Therapeuten mit Kassenzulassung eine Absage bekommen hat. Außerdem muss er eine ärztliche Bescheinigung beilegen, dass die Therapie dringlich und bei diesem Therapeuten notwendig ist.

Literatur:

  • Fliß, Igney, Handbuch Trauma und Dissoziation, Pabst, Lengerich 2008
  • Breitenbach, Requardt, Komplex-systemische Traumatherapie und Traumapädagogik, Asanger, Kröning 2013
  • Courtois, Ford, Komplexe traumatische Belastungsstörungen und ihre Behandlung, Junfermann, Paderborn 2011